Die Wischekarte

Die Wische ist eine Region in der Altmark im Norden von Sachsen Anhalt.
Das Gebiet der Wische liegt zwischen Stendal, Wittenberge und Havelberg.
Der Name Wische leitet sich aus dem niederdeutschen Wort für Wiese ab.


15 Gründe für die Wische

  1. Man kann hier wunderbar unangestrengt radeln (Flachland).
  2. Der Sternenhimmel ist atemberaubend.
  3. Wir haben 3 Hansestädte.
  4. Man kann staufrei Auto fahren.
  5. Man findet die Ruhe, die man sucht.
  6. Es gibt jede Menge kulturelle Angebote.
  7. Es gibt aber auch noch zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten.
  8. Man findet hier Abenteurer und Visionäre – eine interessante Mischung aus noch interessanteren Menschen.
  9. Die Wische bietet fruchtbaren Boden.
  10. Der Jakobsweg führt auch durch die Wische. (Hier kann man sich auf den Weg zu sich selbst machen.)
  11. Die Wische ist ein Ort für Aktionen.
  12. Es gibt hier eine artenreiche Flora und Fauna.
  13. Die Störche lieben die Wische. Wir auch!
  14. Hier gibt es eine traumhafte parkähnliche Landschaft.
  15. Hier gibt es Geschichte zu entdecken.

 


 

Meine Wische…DSCF1137

von Grit-Kerstin Stange

Meine Beziehung zu diesem Fleckchen Erde musste erst wachsen und sich entwickeln.
Viele Menschen, die wie ich aus einer waldreichen Gegend stammen, sind zunächst irritiert und vermissen etwas, wenn sie herkommen.
Ich ging erst einmal auf Abstand: kein Wald, im Herbst schlammige Straßen, so dass die erste Anschaffung hier Gummistiefel waren.

Die Elbe war damals noch keine Augenweide sondern ein bedrohlich wirkendes Industriegewässer.
Wollte ich bleiben? Nein.

„Wer erst mal in den Wischedreck gefallen ist, bleibt daran kleben.“ sagten die Alten schmunzelnd und voller Weitblick und sie behielten Recht.
Wir blieben und verliebten uns in diese weite, parkähnliche Landschaft, die inzwischen saubere Elbe, die im Sommer ihre Sandstrände für uns entblößt und die kleinen charmanten Ortschaften, welche zunehmend attraktiver für kreative Menschen werden.  Hier werden Lebensträume gelebt.

Manchmal bedarf es des Blickes eines Außenstehenden, um die Schätze vor der eigenen Haustür zu erkennen.
Wie schnell wird man betriebsblind und lässt sich durch schwierige Entwicklungen entmutigen.
Natürlich haben wir hier mit den typischen Problemen ländlicher Gebiete heutzutage zu tun. Junge Leute wandern ab, es gibt zu wenig attraktive Arbeitsplätze, Schulen werden geschlossen und dergleichen mehr.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch einen Trend, dass sich junge Menschen heimatverbunden fühlen und zurückkehren möchten oder andere haben Lust Gestaltungsräume zu entdecken, die in Großstädten in dieser Form für sie nicht vorhanden sind.

Diese Menschen wollen wir in der Wische willkommen heißen und unterstützen.
Es gibt hier so viel Engagement in den einzelnen Orten, attraktive Vereine, die Großartiges auf die Beine stellen.
Wie sehr könnten sich positive Effekte verstärken, wenn diese Menschen sich intensiver vernetzen würden?
Wenn wir uns darüber austauschen, was der einzelne braucht, um sich hier eine solide Existenz aufbauen zu können, kann man mit vereinten Kräften daran arbeiten, diese Bedingungen zu schaffen. (Vielleicht gäbe es dann sogar flächendeckend schnelles Internet. Das wäre doch mal was.)
Dabei ist es ganz wichtig, über den Tellerrand zu gucken und manchmal auch über den Schatten zu springen.

Im Miteinander liegt unsere Chance.

In den 50er Jahren wurde die Wische im Rahmen der Wischeaktion (von oben verordnet) wieder urbar gemacht.
Junge Menschen kamen her und leisteten Übermenschliches. Manche verliebten sich und blieben.
Jetzt ist es Zeit, die Wische für das neue Jahrtausend fit zu machen.
Es braucht eine neue Wischaktion, eine, die von den Menschen hier selbst gestaltet wird:

Die Wischeaktion 2.0.


Meine Wische…DSCF0820

von Kerstin Sasse

Und das kann ich schreiben, denn ich bin ein bekennender Wischefan! Vor nunmehr 23 Jahre zog ich mit meinem heutigen Mann in die Wische. Was ist es, was mich immer wieder so berührt, so erfüllt? In erster Linie ist es meine Heimat geworden. Dann ist diese grenzenlose Weite die mich immer wieder staunen lässt! Flaches, grünes, sattes Land, es macht immer wieder Spass sich hier mit dem Fahrrad zu bewegen. Radwege und wenig Verkehr tragen zum Fahrspass bei. Ich lebe gerne hier, hier wo die Kraniche und Gänse um unser Dorf im Frühjahr wie im Herbst rasten, der Adler seine Runden zieht und jedes Dorf einen Storchenhorst hat. Letzte Woche zählte ich auf einer Wiese hier über hundert Silberreiher. Wer hat so etwas schon gesehen? Dann die Elbe, der schönste Fluss Deutschlands! Hier gibt es richtige Strände, wo so mancher Urlaub machen möchte. Ich liebe das Paddeln auf dem Fluss, Bibersichtung gratis! Gibt es in unserer dünnbesiegelten Gegend Kultur? Und ob, wenn man will kann man fast jeden Abend unterwegs sein, oder man setzt sich einfach mal hin und bestaunt den Sternenhimmel! Sternschnuppen zählen, hier ist der Ort dafür! Und dabei dann die Stille genießen. Da hört man schon mal einen Apfel fallen oder wortwörtlich die Igel husten. Mit den Jahren habe ich hier viele tolle Menschen kennengelernt. Menschen die kreativ sind, die Lust haben etwas zu bewegen und es vor allem auch tun! Und das ist ein wichtiger Aspekt für mich, etwas zu bewegen, sich einzubringen in die Gemeinschaft, Freude zu verbreiten. Und wenn das wie in unserem Verein in einer Atmosphäre von Freundschaft und Verbindlichkeit geschieht ist es genial! Ich der bekennende Wischefan bin ein Wischaktivist geworden!


Meine Wische…Sommer

von Horst Blum

Seit nunmehr 23 Jahren lebe ich in ihr – der Wische. Die Landwirtschaft hat mich mit Familie aus dem Westerwald hierher gelockt. Ich durfte mich am Aufbau einer Lehr- und Versuchsanstalt für Tierhaltung am Standort des ehemaligen Institutes für Rinderproduktion in Iden und Rohrbeck beteiligen.

Meine ersten Eindrücke von der Wische waren geradezu buchstäblich. Ich stand im Winter mit Stiefeln auf dem Acker mit dem schweren Tonboden, den die Elbe hier hinterlassen hat. Bei jedem Schritt hinterließ ich mächtige „Eindrücke“, weil die Stiefel immer schwerer wurden von dem anhaftenden Boden. Nach ein paar Metern hatte ich den Eindruck, nicht mehr weg zu kommen aus dieser Wische. Und so kam es denn auch!

Dünn besiedelt, rein agrarisch geprägt, tausende Kilometer Entwässerungsgräben, schwierig zu bewirtschaften – aber schön! Besonders im Frühling, wenn der Weißdorn blüht und die Weiden entlang der Gräben der Wische ihr typisches Antlitz verleihen. Das waren die ersten Eckinformationen, die ich über die mir bis dahin unbekannte Region erhielt.

Klang erst einmal nicht einfach. Ist es auch nicht! Wer es nur einfach mag, der bleibt wohl besser nur Besucher dieser herrlichen Landschaft.

Wer aber, wie ich, nicht alles vor der Tür braucht, dem Nachbarn nicht ständig ins Fenster gucken will, Freiräume mag, klare Luft liebt, Schwärme von Graugänsen und Kranichen am Tag und prachtvolle Sterne in der Nacht am Himmel genießt, der ist hier richtig. Nachtruhe und Dunkelheit nehmen wir hier übrigens noch wörtlich!

Einmal im Jahr bin ich mit meiner Frau und unseren Nachbarn auf größerer Fahrradtour unterwegs. Am liebsten entlang der deutschen Flüsse. Die Elbe von Bad Schandau bis zur Nordsee sind wir auch schon abgefahren. Ja! Im Elbsandsteingebirge unmittelbar im Anschluss an die tschechische Grenze ist es auch wirklich schön. Aber wer einen naturbelassenen Flusslauf in herrlicher Aue sehen will, muss unseren Elbabschnitt mit dem Rad erkunden. Auch links und rechts!

Mit Besuchern sind wir schon öfter mit der hier noch anzutreffenden Gierfähre über die Elbe gefahren. Allein das fahren mit der Gierfähre ist schon ein Erlebnis, besonders für die Kinder. Aber das lautlose Gleiten von Ufer zu Ufer, nur begleitet vom leisen Rauschen des Wassers, hat eben auch diesen besonderen Kick, weil ..…. !! Ach, besser einfach mal selbst erleben! Wische heißt für mich eben Wohnen im schönsten Elbbereich!

Als gebürtiger Westerwälder komme ich auch aus einer sehr ländlichen Region. Aber ländlich ist hier anders! Es gibt eine im Vergleich unglaubliche Fülle an kulturellen Angeboten. Vom liebevoll arrangierten Dorffest bis zum Orgelkonzert oder Literaturtagen ist alles dabei. Oper oder großes Theater findet man natürlich nicht. Aber viel „kleines Theater“, bunte musikalische Unterhaltung, Galaabende mit Pferden, Mühlenfeste, die kleinste Hansestadt Deutschlands und andere Kleinode. Also auch nicht immer nur Nachtruhe. Und alles wird von den vielen engagierten Menschen in dieser dünn besiedelten Wische auf die Beine gestellt. Das sagt viel, über sie oder Sie – die hier lebenden Menschen! Da lohnt es, sich selbst einzubringen.

Es passt eben, dieses „Lebe lieber anders“! Wär’s mag, sollte in die Wische ziehen.